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Der Herr der Bienen

Imkermeister Lukas Hensel –
Imkerei Hensel aus Bellersen

35 Millionen Mitarbeiter – gemessen an dieser Mitarbeiterzahl ist das sicherlich das größte Unternehmen im Kreis Höxter. Ein bisschen brummig, naturverbunden, aber emsig und fleißig ohne Ende. Auf internationalem Parkett wäre dieses Unternehmen sicherlich ein internationaler Konzern, börsennotiert und äußerst erfolgreich, versteht sich. Im 700-Seelen-Dorf Bellersen allerdings, dem Dichterin Annette von Droste-Hülshoff mit ihrer Kriminalnovelle „Die Judenbuche“ 1842 ein literarisches Denkmal setzte, sorgen die kleinen tierischen Mitarbeiter für den Lebensunterhalt der Familie Hensel. Dieses Unternehmen hat sich seit mehr als 40 Jahren auf Bienen und das von ihnen hergestellte Produkt, den Honig, spezialisiert.

Auf einer Anhöhe, mit grandiosem Blick über Felder, Wiesen und Äcker, betreiben die Hensels ihre Bioland-Imkerei, haben sich mit Leidenschaft dem wohlschmeckenden Naturprodukt verschrieben. Nachwuchssorgen kennt das Unternehmen bislang nicht. Denn inzwischen haben die 35 Millionen robusten Buckfast-Bienen einen weiteren engagierten Chef: In der dritten Generation widmet sich Lukas Hensel der Berufsimkerei. Vor  kurzem hat er die Ausbildung zum Tierwirtschaftsmeister, Schwerpunkt Imkerei, erfolgreich abgeschlossen. Nach vielen Jahren also wieder ein Imker-Meister im Kreis Höxter, von denen es in ganz Deutschland nur wenige gibt. Denn unter den rund 100.000 Imkern, die dem Deutschen Imkerbund angeschlossen sind, sind lediglich 500 Berufsimker. Die Anderen betreiben als Freizeit- oder Nebenerwerbsimker ein beliebtes Hobby mit den summenden Tierchen. Und nur 320 Imkereien arbeiten rein biologisch-dynamisch wie die Hensels. Geerntet wird bei ihnen nur ausgereifter kalt geschleuderter Honig höchster Qualität, alles auf sanftem Wege, ohne Rauch oder Einsatz von Chemie.

Berufsrisiko Bienenstich

Für Lukas Hensel war die Imkerei ein echter Herzenswunsch. Obwohl sich der heute 27-Jährige zu Beginn seiner Laufbahn erst einmal zum KFZ-Mechatroniker hat ausbilden lassen, blieb das Ziel doch vorgegeben: „Ich wollte schon immer mit den Tieren und in der Natur arbeiten, das fand ich faszinierend.“ Und den „Schrauberberuf“ könne er jetzt gut gebrauchen, denn zu reparieren gäbe es an den „Reise-Fahrzeugen“ für die Bienen genügend. Ein gewisser Idealismus gehört zur Imkerei  dazu, denn ein 16-Stunden-Tag im Sommer ist keine Seltenheit. Und die Wochenenden sind dann auch noch oft verplant. Für Lukas Hensel kein Problem, denn seine Familie kümmert sich ebenfalls den ganzen Tag um die fleißigen Bienen, und die Freundin hat zum Glück Verständnis.

Dass er oft am Bienenstock gestochen wird, gehört zum Berufsrisiko. Denn nicht immer geht er im kompletten „Raumanzug“ zu seinen Zöglingen. 50 Stiche am Tag seien normal. „Den Stachel nicht mit den Fingern herausziehen, sondern versuchen, vorsichtig abzustreichen oder weg zu schnippen“, gibt Hensel einen Tipp. Wer nicht gerade Allergiker ist, dem drohe keine Gefahr. Die abwechslungsreiche Arbeit inmitten des Weserberglandes sowie die netten Stammkunden, die auf den regionalen Märkten das Naturprodukt Honig schätzen, entschädigen den jungen Imkermeister für manchen Alltagsstress. Und Lukas Hensel liebt Honig auch privat heiß und innig. „Ob zum Süßen von Kaffee oder Tee, zu Kuchenbacken, für die Salatsauce, für den Braten wie auch für das Dessert, Honig ist vielfältig einsetzbar“. Ein Glas Honig für sechs bis acht Leute wird jeden Tag bei Hensels in Bellersen verbraucht.

Sommerfrische für die Produktvielfalt

Wenn die Bienen im Kreis Höxter nicht mehr genügend Pollen und Nektar finden, geht es auf die Reise in die Sommerfrische. Im Schwarzwald, dem Pfälzer Wald, an der Müritz oder im Oderbruchtal in Brandenburg, ist der Tisch für die Bienen reich gedeckt. Das hat auch sein Gutes: Durch diese Wanderschaften kann die Imkerei auf den Wochenmärkten eine große Vielfalt für die Honigliebhaber anbieten. Mehr als 12 Sorten naturbelassenen Honig haben die Hensels im Programm. Und natürlich stammen noch viele aus der eigentlichen Heimat, dem Kulturland rund um Brakel, Nieheim, Marienmünster und Bad Driburg.

Raps- und Frühlingsblütenhonig, Lindenblütenhonig und Waldhonig sind nur einige der Sorten, die bei den Kunden in den Hof- und Bioläden sowie auf den Wochenmärkten gut ankommen. „Und das Interesse an regional erzeugten Produkten steigt stetig“, freut sich Lukas Hensel, der in seinem Job als Imker eine Lebensaufgabe sieht.

Imkerei Hensel
Im Hohlen Graben 12
33034 Brakel-Bellersen
Fon: 05276 8792
info@imkerei-hensel.de
www.imkerei-hensel.de

Tags: Ausbildung, Ausbildungsbetrieb, Bellersen, Bioland, Brakel, Buckfast, Dorf, Echte Originale, Existenz, Familienbetrieb, Imkerei, Kulturland, Ländlicher Raum, Lebensmittel, Regionalmarke, Wochenmarkt

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